Alina K.

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Wer kann mir helfen?

Wir sprechen mit Alina K. von der Kinder- und Jugendanwaltschaft. Kinder- und Jugendanwaltschaften (Kija) gibt es in allen Bundesländern.

Die Kinder und Jugendanwaltschaften in Österreich sind unabhängige Stellen für Kinder.

Sie vermitteln bei Konflikten und bieten Kindern und Jugendlichen rasche und unbürokratische Beratung und Unterstützung in schwierigen Situationen an, auch bei Gewalt in der Familie.

Informationen über Kinder- und Jugendanwaltschaften und die Adressen und Telefonnummern  findet ihr auf www.kija.at

Wo du Hilfe bekommst

Wie kommen eigentlich Kinder und Jugendliche, die Hilfe brauchen, zur Kinder- und Jugendanwaltschaft?

Ein Kind oder ein/e Jugendliche/r, der/die bei uns anruft oder vorbeikommt, hat manchmal schon viel probiert. Sie haben sich mit Freunden und Freundinnen oder Geschwister beraten. Sie haben sich an ihre Lehrer und Lehrerinnen gewandt. Oder an ihre Großeltern. Manche haben auch ihre getrennt lebenden Elternteile um Unterstützung gebeten. Zu uns kommen Kinder über Andere oder weil sie im Internet über unserer Adresse www.kija.at stolpern. Oft ist es Mund zu Mund Propaganda, die Kinder und Jugendliche zu uns führt. Viele Jugendliche haben leider keine erwachsenen Bezugspersonen, denen sie vertrauen können. Sie sprechen in der Kinder- und Jugendanwaltschaft zum ersten Mal über ihre Probleme. 

Finden Sie es falsch, sich mit Freunden oder Verwandten zu besprechen?

Personen, die einem gut kennen und die als Vertrauensperson infrage kommen, können  grundsätzlich eine gute Unterstützung sein. Beim Reden über Probleme und Sorgen wird vieles klarer und mit Unterstützung und Hilfe von BeraterInnen fällt es leichter einzuordnen, ob eine Veränderung sofort geschehen muss oder ob noch Zeit ist. Das kann eine wichtige Vorstufe zur eigentlichen Veränderung oder Hilfe sein. Es gibt Kinder und Jugendliche die aus unterschiedlichen Gründen nicht mit Geschwistern, Freunden, Freundinnen oder den Eltern über ihre Probleme reden wollen oder können. In solchen Fällen, oder bei Themen wie z.B. Gewalt in der Familie, ist es hilfreich professionelle Unterstützung zu holen. Was uns Kinder und Jugendliche in Gesprächen erzählen unterliegt immer der Verschwiegenheit, es ist auch möglich anonym zu einem Beratungsgespräch in die Kinder- und Jugendanwaltschaft zu kommen.  

Heißt das, jeder/jede  braucht  eine andere Form der Hilfe?

Im Grunde ja. So benötigt jedes Kind und jede/r/ Jugendliche individuelle Unterstützung und Hilfe - keine Lebensgeschichte ist wie die andere. Was ich für alle gleich wichtig finde ist, dass sie wissen, dass es Hilfe gibt und dass es in Ordnung ist, Zeit zu brauchen, ehe man so weit ist, sich helfen zu lassen. Aber es gibt Hilfe und man ist nicht alleine.

Gibt es Kinder oder Jugendliche, denen es besonders schwer fällt, sich Hilfe zu holen?

Ja. Viele sind emotional natürlich hin- und hergerissen. Es fällt ihnen nicht leicht zu entscheiden, ob sie sich jemanden anvertrauen sollen oder lieber nicht. Sie lieben ihre Familie trotz beispielsweise bei Gewalterfahrungen und geraten dadurch in einen schlimmen Konflikt. In diesen Fällen ist es ganz besonders wichtig Kinder und Jugendliche zu stärken und ihnen zu vermitteln, dass die Verantwortung dafür bei den Erwachsenen liegt und Gewalt niemals ihre Schuld ist.

Fällt es Kindern und Jugendlichen eigentlich schwer, von ihren Problemen zu erzählen?

Ja. Damit sich Kinder und Jugendliche an eine offizielle Stelle wie die Kinder- und Jugendanwaltschaft wenden, müssen der Druck und die Verzweiflung schon recht groß sein. Oft werden Kinder und Jugendliche von FreundInnen ermutigt sich an uns zu wenden, oft begleiten diese FreundInnen die Betroffenen auch wenn sie das erste Mal in die KIJA kommen. Wenn Kinder und Jugendliche erleben, dass ihnen zugehört wird und dass sie ernst genommen werden, ist es für die meisten eigentlich eine Erleichterung, in einem geschützten Rahmen offen über Gefühle und Erlebnisse reden zu können. Wir arbeiten parteilich, das bedeutet, dass für uns die Interessen und Anliegen von Kindern und Jugendlichen immer im Vordergrund stehen.

Nochmals, die Botschaft ist: Ihr dürft und sollt euch Hilfe holen!

Danke für das Interview.

Sehr gerne.